Die Hermannschlacht

Aus Sagenhaftes Ruhrgebiet

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Moderne Statue des römischen Oberbefehlshabers Varus, der gegen Arminius in der sogenannten Varusschlacht seinen Untergang fand.

Liebe Leserinnen, liebe Leser, kommen wir zu dem absoluten Höhepunkt der Bochumer Stadtgeschichte ... Sie alle kennen die berühmte Hermannsschlacht, in der Hermann, oder richtiger gesagt, Arminius, der Cheruskerfürst, zusammen mit einigen germanischen Stämmen im Jahre 9 n. Chr. drei römische Legionen (etwa 25000 Mann) unter dem Heerführer Varus vernichtend schlug. Entsetzt soll Kaiser Augustus die berühmten, wenn auch vergeblichen Worte gesprochen haben: »Quintili Vare, legiones redde!« (Quintilius Varus, gib mir meine Legionen wieder.) Diese Schlacht änderte die Germanienpolitik der Römer grundlegend. Statt das Römische Reich bis zur Elbe auszudehnen, wurde der Rhein als Grenze zwischen Germanien und dem Imperium Romanum festgeschrieben. Ein herber Rückschlag für die römische Expansionspolitik. Sie meinen: So weit, so gut, aber die Hermannsschlacht fand doch nicht in Bochum, sondern bei Kalkriese nahe des Teutoburger Waldes statt?

Nun, Sie kennen nicht das epochemachende Standardwerk deutscher Geschichtsschreibung, 1823 von dem (Bochum-) Weitmarer Dorfpfarrer Petersen verfaßt, mit dem Titel: Das Kirchspiel Weitmar – oder die Gegend, wo Hermann den Varus schlug! Petersen, der Altmeister des unfreiwilligen Humors in der Bochumer Stadtgeschichtsschreibung, konnte es als echter Lokalpatriot überhaupt nicht fassen, daß die berühmte Schlacht fernab seines Wohnortes stattgefunden haben soll Selbstbewußt verlegte er also den Ort der Handlung vom Teutoburger Wald nach Weitmar. Petersen war nicht nur der tatsächliche Kampfplatz bekannt, nein er wußte auch den genauen Zeitpunkt, an welchem der Heerführer Varus fiel, nämlich am 15. August des Jahres 9 n. Chr., ungefähr acht Uhr abends, also pünktlich zur Tagesschau. Diese überaus wertvollen historischen Erkenntnisse Petersens werfen so manchen Forschungsbericht deutscher Hochschulen vollends über den Haufen. Mit Staunen erfahren wir ferner von Petersen, daß die Germanen nicht etwa germanisch sprachen wie wir in unserem eingeengten Denken vielleicht annehmen –, nein, die Germanen sprachen Altgriechisch und dachten orientalisch. Nun wird auch verständlich, wieso unsere Vorfahren nach Petersen einen entscheidenden Anteil bei der Eroberung des von Homer besungenen Trojas hatten. Der Name der Stadt Bochum stammt nach dem Weitmarer Dorfpfarrer vom altgriechischen Adjektiv baukos (schön) ab und soll auf die angenehme Lage der Stadt hinweisen. Schade nur, daß selbst die gebräuchlichen Fachlexika sich über diese Bedeutung des Wortes baukos ausschweigen. Petersen muß ein Fachgelehrter der Extraklasse gewesen sein, er kannte sogar Wortübersetzungen, die anscheinend gar nicht möglich sind. Nun erkennen wir auch, weshalb die christliche Missionierung im germanischen Raum so schleppend voranging. Nun, die Germanen verstanden nur altgriechisch (nach Petersen), die Missionare verkündeten das Wort Gottes jedoch in germanischen Sprachen – die Germanen verstanden die Missionare also gar nicht. Nur das glückliche Zusammenspiel von geballter Geisteskraft und feinem historischem »Schafsinn« konnte ein Fachbuch von der Güte, wie Petersen es verfaßt hat, hervorbringen. Sie meinen nun: Alles Unsinn, die Hermannsschlacht fand doch nicht im Raum Weitmar statt? Sie haben recht! Die Hermannsschlacht tobte nicht in Bochum-Weitmar, sondern in der Gegend um Bochum-Stiepel. Dies jedenfalls behauptet 156 Jahre nach Petersen ein weiterer Fachmann auf diesem Gebiet in einem Buch. Der Autor wohnt in Stiepel – natürlich. Er wollte Weitmar nicht den Ruhm lassen Austragungsort der bekannten Schlacht gewesen zu sein, und verlegte diese folgerichtig in seinen Heimatort. Nähere Beweise, so meinte er, müßten archäologische Grabungen erbringen. Liebe Leser, der Herausgeber des »Bochumer Sagenbuches« wohnte in Bochum-Langendreer und konnte es nun überhaupt nicht einsehen, daß Arminius die Römer fernab seines Stadtteils besiegt haben soll. Und so fand er vor gut zehn Jahren beim Umgraben seines Gartens ein Stück verrostetes Metall. Vielleicht ein altes Stück Metall. Wahrscheinlich ein sehr, sehr altes Stück Metall. Mit Sicherheit hat es in grauer Vorzeit zum Schwert des Hermann gehört – und damit ist bewiesen, die Hermannsschlacht tobte weder in Weitmar noch in Stiepel, sondern in Langendreer, direkt in seinem Gemüsegarten. Bestimmt!

Anmerkungen

Die Varuschlacht fand nicht im Raum Wattenscheid, sondern wahrscheinlich in Kalkriese, ungefähr 15 Kilometer nördlich von Osnabrück statt. Das Varusschlacht-Museum von Bramsche-Kalkriese, Vennerstr. 69 ist unbedingt ausflugswert!

Varusschlacht-Museum (WGS 84: 52.407596° 8.130409°)

Literaturnachweis

  • Vgl. Sondermann, BS, 77–79 (nach Petesen, 154, 254; Heinz Winter, Hochgericht und Herrlichkeit Stiepel. Varusschlacht zwischen Bochum und Witten, Bochum 1979, 13ff.); Informationen zum Varusschlacht-Museum Kalkriese finden Sie unter: http://www.kalkriese-varusschlacht.de


Hier finden Sie: Varusschlacht-Museum (52.407596° Breite, 8.130409° Länge)

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Dieser Text wurde folgendem Buch von Dirk Sondermann entnommen:

Ruhrsagen. Von Ruhrort bis Ruhrkopf.
Bottrop: Henselowsky Boschmann Verlag, 2005
ISBN 3-922750-60-5.





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