Die Gründung des Klosters Herdecke

Aus Sagenhaftes Ruhrgebiet

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Stiftsplatz in Herdecke

»Herdecke selbst, ein ziemlich düster aussehender Ort, besitzt ein altes hochliegendes Stift ...« (Schücking-Freiligrath,319)

Viele behaupten zwar, der Name Herdecke komme von der altdeutschen Göttin Herta her und bedeute soviel als Hert-Eke, das heißt Hertas Eiche (Eiche, wo der Herta geopfert worden). Allein, wenn auch jene Göttin in dieser Gegend vorzüglich verehrt sein mag, so ist doch die Entstehung des Namens Herdecke anders und von der Stiftung des Klosters unzertrennlich, wie folgende Erzählung zeigen wird: Vor vielen hundert Jahren lebte in Italien eine junge, schöne und reiche Prinzessin namens Frederuna, eine Nichte des großen Kaisers Karolus (†814). Diese liebte einen vornehmen und tapferen Ritter und wurde von ihm wiedergeliebt; allein der Ritter starb im Kampfe gegen die Sarazenen (Araber, D.S.). Da wurde der unglücklichen Prinzessin ihr Vaterland und die Welt verhaßt, und sie beschloß, gen Norden zu ziehen und ein Kloster zu bauen, in dem sie ihr Leben still und abgeschieden beschließen könne. Zu dem Ende verkaufte sie alle ihre Güter und ihre Besitzungen, lud das Geld auf Maultiere und zog nun fort aus ihrer Heimat, immer tiefer dem kalten Norden zu. Weil sie aber viel von den deutschen Eichen gehört hatte und wie es so still und heimlich darunter sei, so entschied sie, dort ihr Kloster zu bauen, wo die Maultiere zuerst und von selbst sich unter eine Eiche lagern würden. Lange zog sie umher, und die Tiere lagerten sich nicht. Endlich aber in einer anmutigen Gegend an der Ruhr legten sie sich unter einer großen herrlichen Eiche nieder. Da rief die Prinzessin voller Freuden: Hier de Eke! das heißt hier ist die Eiche! und sie baute allda ein prächtiges Kloster für Jungfrauen, das nach ihrem Ausrufe Herdecke genannt wurde und in dem sie lange als erste Äbtissin ein frommes, gottseliges Leben führte.

Anmerkungen

Nach Bahlmann war Frederuna nicht die Nichte Karls des Großen. Die meist verschlossene evangelische Stiftskirche St. Marien des 818/19 gegründeten und 1811 aufgehobenen Frauenstiftes befindet sich an der Stiftsstr. Die Kirche beherbergt noch Bausubstanz aus der karolingischen Gründungszeit. Am Stiftsplatz sind noch einige historische Stiftsgebäude erhalten.

St.Marien (WGS 84: 51.399775° 7.431897°)

Literaturnachweis

  • Stahl, 100f. (mündlich); Vgl. Bahlmann,1922,213,Am.44; vgl. Palme,Nr.80 (s. Palmes Am.) Bahlmann, 1922, 63f; vgl. Palme, Nr. 80


Hier finden Sie: St.Marien (51.399775° Breite, 7.431897° Länge)

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Dieser Text wurde folgendem Buch von Dirk Sondermann entnommen:

Ruhrsagen. Von Ruhrort bis Ruhrkopf.
Bottrop: Henselowsky Boschmann Verlag, 2005
ISBN 3-922750-60-5.





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