Der Geistergang am Vogelhof

Aus Sagenhaftes Ruhrgebiet

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Pauluskirche in Kamen

In der früher zur Grafschaft Mark gehörenden Sesekestadt Kamen, in der auch zeitweise die Grafen von der Mark residierten, weiß man kaum noch von einer Sage. Höchstens, dass die »Kämische Bleier«, wie mitunter die Kamener in der Umgebung genannt werden, vom bösen Vogt in seinem Burghaus erzählen (...). Einer der Burgmannshöfe Kamens, auf denen adelige Herren saßen, ist der Vogelhof. In dessen Nähe musste es ein Kutscher mit ansehen, wie plötzlich Wagen und Pferd vom Erdboden verschluckt wurden. Sofort hieß es, dass dort auch Gespenster ihr Unwesen trieben. Sie sollen in dem unterirdischen Gang hausen, der, wie es in Kamen erzählt wird, den Vogelhof mit dem »Schiefen Turm« verbindet, dem ältesten Teil der jetzigen Paulskirche und Wahrzeichen Kamens. Schließlich wurde auch eine verrostete, mannshohe Eisentür entdeckt, die wohl einen alten Fluchtgang verschloss.

Anmerkungen

Die Sage scheint noch recht jung zu sein. Sie stammt aus einer Zeit, in der nach verbreiteter Ansicht nichts Sagenhaftes mehr geschieht, wird doch die Geschichte von dem samt Wagen verschwundenen Pferd in die Zeit um 1900 gelegt. Den Vorgang teilt Alois König (Lippstadt) in seiner Arbeit über den Sesekeraum mit (s.a. Hellweger Anzeiger – Heimat am Hellweg F. 2/1958).

Der Vogelhof, von dem hier gesprochen wird, ist mit dem Reck-zu-Reck-Hof gleichzusetzen, unweit des einstigen Nordentors in der Ecke Nordenmauer/Nordstraße, der ursprünglich eine Gräfte besaß. Erster bekannter Burgmann ist um 1341 Johann v. Bögge. 1390 ging der Burghof an Dietrich v.d. Recke auf Heeren. Nach mehrmaligem Besitzerwechsel war neuerlich ein D.v.d. Recke Eigentümer. 1774 geriet der Vogelhof in die v.d. Recke'sche Konkursmasse. Über den Käufer Middendorf fiel der Besitz an Luise Keppler, verehelichte v. Vogel (1807). Die Zeche Monopol kaufte das Anwesen 1889, im gleichen Jahre auch den Galenhof. (A.s. Anm. z. »Der böse Vogt von Kamen«, Nr.5).

In der Luftlinie war der Vogelhof von der ev. Pauluskirche rund 330 m entfernt. Berichte über so lange unterirdische Gänge sind mit Vorsicht zu behandeln, zumal es sich hier um alten Seseke-Schwemmboden handelt. Das Seseke-Hochwasser drang vor der Regulierung so weit vor, dass ein solcher Gang durchaus zweifelhaft sein dürfte. Kellerausschachtungen in der Altstadt ergeben bei steigendem Sesekewasser einen außerordentlich hohen Grundwasserstand, sogar noch in der Gegenwart. Möglicherweise handelte es sich um ein altes Kellergewölbe, worin das Gespann einbrach. Die Pauluskirche, ursprünglich den hl. Severin v. Köln geweiht, war zuerst ein romanischer Bau (einschiffig), ab 1375 als gotische Hallenkirche erweitert, 1843 wiederum abgebrochen und auf einem Unterbau aus Grünsandstein als größere Saalkirche aufgeführt. Seit 1849, der Einweihung des neuen Kirchenbaues, heißt sie St. Pauluskirche. Ältester Teil ist der Turm im Westen (rom., 12. Jh.).(Palme)

Der Vogelhof lag dort, wo sich heute an der Kampstr. 8 das Kaufhaus Karstadt befindet.

Pauluskirche: Der romanische Turmbau aus grünem Sandstein sowie das (nicht mehr erhaltene) ursprüngliche Kirchenschiff wurden im 12. Jahrhundert errichtet. Die Dachhaube (im Volksmund »Schiefer Turm« genannt) soll bei ihrer Errichtung im 14. Jahrhundert angeblich bewusst gegen die vorherrschende Windrichtung geneigt worden sein und ist heute das Wahrzeichen von Kamen (im Stadtlogo vereinfacht als Kontur dargestellt). Der Turm wurde lange Zeit renoviert, da immer wieder Teile der Sandsteine abbrachen und hinunterfielen. Das heutige Kirchenschiff dieser evangelischen Stadtkirche wurde 1844–1849 im neoromanischen Stil neu errichtet. Siehe: Wikipedia Die Pauluskirche liegt am Schwesterngang.

ehem. Vogelhof (WGS 84: 51.594185° 7.663495°)

Pauluskirche, Kamen (WGS 84: 51.591216° 7.660555°)

Literaturnachweis

  • Helmut G. & Gerda Palme, Sagen vom Hellweg, Hg.: Kreis Unna, Erweiterte Neuauflage Schwerte 1987, Nr. 31


Hier finden Sie: ehem. Vogelhof (51.594185° Breite, 7.663495° Länge)

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Diese Sage ist in den bisher erschienen Werken von Dirk Sondermann nicht enthalten. Von ihm erschienen die Bücher Ruhrsagen, Emschersagen, Bochumer Sagenbuch, Wattenscheider Sagenbuch und Hattinger Sagenbuch. Weitere Publikationen sind in Vorbereitung. Bitte beachten Sie auch unsere Veranstaltungshinweise.


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