Das Grisemännken von Groppenbruch

Aus Sagenhaftes Ruhrgebiet

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Nach dem ersten Weltkrieg (1914 – 1918; D. S.) erzählte man sich in Groppenbruch noch gern diese alte Sage vom Grisemännkesbaum: Auf einem Acker, der die Bezeichnung »Sisak« trägt und zum Kampmannschen Hof in Groppenbruch gehört, lag in einem schmalen Wasserlauf ein verfaulter Baum, den man den »Grisemännkesbaum« nannte. In ihm wohnte das Grisemännken. Das trieb gern mit den Menschen seinen Schabernack.

Einer erzählte, er wäre öfter abends bei Kampmann zu Besuch gewesen. Auf dem Heimweg hätte er am Grisemännkesbaum vorübergehen müssen. Jedesmal wäre er in die »Knie geschossen«, also hingefallen. Ein anderer, der Spökenkieker Brinker, Peppings Nachbar, wollte das Grisemännken oft gesehen haben. Es sei ein kleines, graues Männchen mit langem Bart gewesen, das aber keine Beine gehabt hätte. Es hätte immer über dem Erdboden oder dem Kornfeld geschwebt. Der Baum sei seine Wohnung gewesen. Es sei drin ein- und ausgegangen. Beim Pflügen hatte es immer dreingeredet. Rief der Bauer den Pferden »Hüh!« zu, dann hätte das Grisemännken »Hott!« gerufen und umgekehrt. Es wird auch erzählt, über den Graben, in dem der Grisemännkesbaum lag, hätte niemand zwei Eimer Wasser zugleich tragen können. Andere sagen, man hätte auch mit einem Eimer nicht hinübergekonnt.

Der Grisemännkesbaum ist jetzt nicht mehr zu sehen. Wenn man aber in den Grund stößt, kann man ihn noch fühlen. Aus dem Graben steigen oft Nebel auf.

Anmerkungen

Der Groppenbruch befindet sich an der Groppenbruchstr. Die Flur Sisak lag an der Straße Im Siesack. Auf dem jetzigen Werksgelände der Baustoffmischanlage Im Siesack soll der Grisemännkesbaum gestanden haben. Der vor 1778 gegründete und noch bewirtschaftete Hof Kampmann liegt an der Königsheide 314. Hof Pepping steht in Waltrop an der Kanonenstr. 87. Der Hof wurde 1821 gegründet und wird heute noch bewirtschaftet. Zu »Spökenkieker» siehe die Anmerkung zu Sage 104.

c. Bodelschwingh - Schloß Bodelschwingh

``Seit Jahrhunderten ist Bodelschwing der Sitz und das Stammhaus der Familie gleichen Namens... Alles trug bey unserm Besuch noch den Charakter ritterlicher Alterthümlichkeit. »

(A. H. Niemeyer, 1824)


ehem. Grisemännekenbaum (WGS 84: 51.584833° 7.4036°)

Literaturnachweis

  • Finkedei, 101f.


Hier finden Sie: ehem. Grisemännekenbaum (51.584833° Breite, 7.4036° Länge)

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Dieser Text wurde folgendem Buch von Dirk Sondermann entnommen:

Emschersagen. Von der Mündung bis zur Quelle.
Bottrop: Henselowsky Boschmann Verlag, 2006
ISBN 3-922750-66-4.




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