Der Teufelstein

Aus Sagenhaftes Ruhrgebiet

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HÜNXE (KREIS WESEL)
 
HÜNXE (KREIS WESEL)
  

Version vom 22. März 2010, 00:06 Uhr

HÜNXE (KREIS WESEL)

HÜNXE - Drevenack

Da liegt im Weselerwald zwischen Drevenack und Marienthal, dem Dorf, in dem das alte Kloster am grünen Isselufer lag, mitten in einer Wiese ein mächtiger Steinblock, von dem niemand weiß, wie er dahingekommen ist. Von einem Felsen kann er nicht hinabgerollt sein, weil es dort in der niederrheinischen Ebene keine Felsen gibt. Und wenn die Gelehrten heute sagen, daß er in Zeiten, als dies weite Land noch Meer war, mit einem Eisberg angespült sei, so haben aber doch die Urgroßväter der Bauern, die dort noch heute wohnen, nichts gewußt von so gelehrten Dingen, von nordischem Granit, woraus der Stein besteht, und auch von einer Zeit vor mehr als hunderttausend Jahren nichts. Als sei er aus der Luft herabgefallen, so lag er immer da, Jahrzehnt schon um Jahrzehnt, breit und dick und fast so hoch wie eine Weihnachtstanne, so daß die Knechte sich vor Sonnenschein und Regen hinter ihm verstecken konnten. Wie aus der Luft herabgefallen - doch wie kann das sein? Vom Himmel? Aus den Wolken? Von den Sternen? Es war noch nie, so daß sie's wußten, solch ein Felsblock aus der Luft gekommen -und es konnte da nur eine einzige Lösung geben, da nur einer solche Kräfte haben konnte und auch den bösen Sinn, diesen Stein hoch durch die Luft zu werfen: Der Teufel selber kann es nur gewesen sein. Und so erzählten sie: In jener Zeit, als auch diesem Lande das Evangelium vorn Christ gepredigt wurde, als in Marienthal fromme Männer das Kloster bauten und in Drevenack die Kirche immer höher stieg, daß der Turm schon weither vom Walde zu sehen war, da habe der Teufel seinen bösen Streich ausführen wollen. Den Nixen in der Issel war es fast gelungen, den Bau des Klosters zu verhindern. Sie trieben das Wasser des kleinen Flüßchens hoch über die neuen Fundamente; die Mönche aber ließen sich keine Mühe mehr verdrießen: Sie bauten neu, einige Meter höher, den Hügel aufwärts, da wo nun heute noch das Kirchlein steht und wo noch der Kreuzgang und die alten Zellen immer noch an jene längst vergangene Zeit erinnern. Das aber war dem Teufel denn nun doch zu viel. Hoch oben auf den Testerbergen jenseits der Lippe habe ihn die Satanswut erfaßt, so daß er jenen Fels, den Teufelsstein, gegriffen habe, um ihn weit - (mit donnerstarkem Brausen sei er durch die Luft geflogen) - ja, nun weiß man nicht, um ihn gegen das Kloster oder die neue Drevenacker Kirche, die er beide von seinem hohen Sitze habe sehen können, zu schleudern. Und man weiß nicht, war seine Kraft zu schwach, so daß der Stein zwischen Marienthal und Drevenack am Weselerwald zu Boden fiel und also das Kloster nicht erreichte - oder zu ungestüm, so, daß er über Drevenacks Kirche weit in die großen Wälder flog, dahin, wo heute Wiese ist und wo er immer noch, wenn auch schon fast in die Tiefe eingesunken, liegt, und wo man immer noch an einer Seite die Löcher sieht, da seine Teufelskrallen sich in blinder Wut in die harte Masse eingegraben haben. Im Sommer, wenn die Wiesenblumen blühen und die Rispen und die Ähren wogen, ist er kaum mehr zu sehen. Einst wird er ganz verschwunden sein, wenn aber doch die Kirchen von Marienthal und Drevenack noch lange, lange stehen werden.

Anmerkungen

Der mächtige Turm der evangelischen Kirche Am Kirchplatz stammt aus dem 12. Jahrhundert. Drevenack gehörte zum Herzogtum Kleve. Von Ostern bis zum Erntedankfest (erster Sonntag im Oktober)ist die Kirche sonntags bis 17.00 Uhr geöffnet.. Die 1345 im spätgotischen Stil errichtete Kirche des Kloster Marienthal liegt in Hamminkeln – Marienthal An der Klosterkirche 8. Nur 100m südlich fließt die Issel. Das Kloster Marienthal wurde 1256 als Augustiner – Eremiten Kloster geweiht. Im 14. Jahrhundert wurde das Kloster an seinen heutigen Standort, nicht allzu weit von seinem ursprünglichen Platz, verlegt. Die nahe Issel und die Gefahr von Überschwemmungen waren wohl der Grund dafür. 1806 wurde das Kloster aufgehoben. Die klösterliche Tradition ist von den Karmelitern 1986 wieder aufgenommen worden. Der 61m hohe Testerberg liegt südlich der Lippe am Testerweg in Hünxe. Der Teufelstein, heute ein Naturdenkmal, liegt Zum Teufelstein in Schermbeck.

Orte:

Literaturnachweis

  • Erich Bockemühl, Niederrheinisches Sagebuch, Gelsenkirchen 1930, S.21f.

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Hünxe (Kreis Wesel)

Hünxe – Drevenack

Der spukende Geist auf dem alten Hof

Es wird erzählt, dass sich auf dem alten Hof das große Hoftor von selber öffnet und von selber schließt. »Wie, von selber?« sagt die alte Großmutter dann, »von selber ist nichts in der Welt, nur der Tod. Von selber? Nachher sagt ihr auch noch, dass ist der Geist. Und warum denn auch? Auf jedem Hof ist ein Geist, mal ein guter, mal ein böser, und ein böser Geist ist immer nur sehr schwer wegzubringen....« Und sie erzählt, dass früher manchmal morgens, wenn sie aufstanden, die Pferdemähnen geflochten gewesen wären. So was macht der Geist. Auch, dass nachts die Türen auf- und zugehen und dass die Eimer und die Töpfe rappeln. Das sei alles nicht schlimm, und davor brauchte man sich nicht zu fürchten. Etwas anderes aber wäre es, wenn morgens früh eine eiserne Kugel im Hof läge. Sie müsse man ja liegen lassen. Wenn einer gegen sie tritt, dann springen sieben Katzen heraus, und wo sie hinspringen, da kann allerlei Unheil entstehen.

Großmutter erzählt die Geschichte von dem Geist, der dem alten Bauer mit seinen Spukereien denn doch zu lästig geworden wäre. Da habe er einen Mönch vom Kloster Marienthal geholt, und der habe den Geist gebannt. Es sei ihm gelungen, ihn auf den großen Wagen zu bekommen. Aber als sie dann das Pferd davor gespannt hätten, sei es ihnen nicht gelungen, den Wagen von der Stelle zu bekommen. Sie haben das andere Pferd dazugeholt, und die beiden Pferde hätten, wie sie sich auch in die Ketten legten, den Wagen nicht bewegen können. Mit Hilfe der Nachbarspferde und irgendeinem Spruch sei es zuletzt doch gelungen. Sie hätten den Geist auf die »dröge Wej«, die trockene Weide, gefahren, und von da komme er nun, jedes Jahr einen Hahnenschritt vorwärts, wieder auf den Hof zu. Und wer Lust hat, mag sich ausrechnen, von welchem Jahr an er wieder sein Unwesen treiben wird. Aber die »dröge Wej« liegt weit hinter dem Hof, und solange einer der heutigen Menschen lebt, wird es nicht sein.

Literaturnachweis

  • Erich Bockemühl, Sagen links und rechts der Lippe, Band 2. Duisburg o.J., S. 57f.

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Diese Sage ist in den bisher erschienen Werken von Dirk Sondermann nicht enthalten. Von ihm erschienen die Bücher Ruhrsagen, Emschersagen, Bochumer Sagenbuch, Wattenscheider Sagenbuch und Hattinger Sagenbuch. Weitere Publikationen sind in Vorbereitung. Bitte beachten Sie auch unsere Veranstaltungshinweise.

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